Fahrer am Steuer zum Bezug auf Fahrerassistenzsysteme

Pkw, Lkw oder Bus – Fahrerassistenzsysteme helfen Leben retten und die EU macht immer mehr Systeme verpflichtend

Fahrerassistenzsysteme, die Leute lieben oder hassen sie. Gleichzeitig sind die kleinen und großen Helferlein im Pkw, Lkw oder Bus oft schon heute wichtige Lebensretter. Das Europäische Parlament hat eine große Zahl an Assistenten im Jahr 2018 ab der kommenden Dekade verpflichtend gemacht. Es hilft also schon jetzt, beim nächsten Leasing oder Kauf etwas genauer auf die Ausstattung des neuen Fahrzeugs zu schauen. Zur Orientierung haben wir die EU-Vorgaben zusammengefasst.


Fahrerassistenzsysteme sind nicht nur die Vorstufe zum autonomen Fahren, aber in erster Linie sollen die Systeme die Fahrer unterstützen und dabei die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöhen. Inzwischen sind so gut wie alle Fahrzeugklassen mit Assistenzsystemen ausgestattet, je nach Hersteller und Modell sind diese aber recht verschieden im Umfang und der Wirkung.

Leider gibt es keine Übersicht über alle Fahrerassistenzsysteme. Man muss sich beim Kauf oder Leasing eines Autos also selbst ein Bild machen und klären, welche Systeme einem selbst und für seine Fahrer wichtig sind.

Abbiegeassistenten – wichtig im Stadtverkehr

Zuletzt waren insbesondere die Abbiegeassistenten für Lkws im Fokus der öffentlichen Diskussion. Sie sollen vorrangig Unfälle beim Rechtsabbiegen verhindern. Besonders in Städten kommt es jedes Jahr zu zahlreichen Verkehrsunfällen mit Radfahrern, die immer wieder für Fahrradfahrer tödlich enden können. Abbiegeassistenten sollen die Fahrer von Lkws auf rechts neben dem Fahrzeug befindliche Radler aufmerksam machen und entsprechend warnen. Noch sind diese Systeme freiwillig. Die EU hat inzwischen festgelegt, dass neue Lkw-Typen ab Mai 2022, alle weiteren Neufahrzeuge spätestens ab Mai 2024 verpflichtend mit Abbiegeassistenten ausgerüstet sein müssen.

In Summe betrifft das etwa 30 Systeme, die zukünftig in Neufahrzeugen verpflichtend eingebaut werden müssen – und das bei Pkw, Lkw und Bussen.

Intelligente Geschwindigkeitsunterstützung (ISA) und mehr

Ein wichtiges System verspricht bis zu 20 Prozent weniger Verkehrstote auf europäischen Straßen – die intelligente Geschwindigkeitsunterstützung (ISA). Auf der Basis von u.a. Verkehrszeichenerkennung und Kartendaten gibt das System Fahrern eine Information, wenn die aktuelle Höchstgeschwindigkeit überschritten wird.

Darüber hinaus werden verschiedene Systeme verpflichtend, die Leben retten sollen, indem sie Unfälle vermeiden oder zumindest die Schäden und Folgen verringern helfen. Dazu gehören sowohl Notbremslicht- und Notbrems-Assistenten, Notfall-Spurhaltesysteme, Rückfahrwarner und alkoholempfindliche Wegfahrsperren sowie fortgeschrittene Fahrerablenkungswarner.

Black Box

Das EU-Parlament hat 2018 auch darauf gedrungen, dass ab Mai 2022 alle Neufahrzeuge auch mit einer Datenerfassung ausgestattet werden müssen, die im Falle eines Unfalls wichtige Daten einige Sekunden vor dem Crash aufzeichnen. Das Prinzip nennt sich ereignisbezogene (Unfall-)Datenerfassung (die sogenannte Black Box), die für die Unfallanalyse genutzt wird.

Direct-Vision-Technologie

Aber auch nach 2024 geht es weiter. So soll die sogenannte Direct-Vision-Technologie ab November 2025 zum Einsatz kommen. Sie fokussiert auf Lkw und Busse und soll – neben Fußgänger- und Radfahrer-Kollisionswarnung und Tote-Winkel-Informationssysteme – dazu führen, dass Lkw- und Busfahrer eine direkte Sicht auf ungeschützte Verkehrsteilnehmer vom Fahrersitz aus haben. Ab November 2028 wird diese Regelung auch für bestehende Fahrzeugmodelle verpflichtend.

Fazit​

Auch wenn die wirklich selbstfahrenden Autos sicherlich noch lange auf sich warten lassen, so werden Fahrerassistenzsysteme schon in den kommenden Jahren zu immer mehr bestimmenden Ausstattungsmerkmalen von Neufahrzeugen.

Besonders relevant sind hier die Verbesserungen im Bereich der Nutzfahrzeuge, die sowohl die Unfallrisiken für Fahrer und Eigentümer der Autos deutlich senken können als auch die Sicherheit schwächerer Verkehrsteilnehmer stärken werden.

Über den Autor

Jens Stoewhase ist Gründer und Mitherausgeber der Branchendienste electrive.net und intellicar.de. Seit 2011 widmet er sich als Medienmacher hauptsächlich den Themen neue Mobilität und Erneuerbare Energien.