Mobilitätsbudget

Firmenwagen gibt es zwar immer noch. Doch eine wachsende Zahl von Unternehmen testet Alternativen, um die Zufriedenheit der Angestellten zu steigern. Mobilitätsbudgets sollen Anreize für Mitarbeiter setzen, auf Dienstwagen zu verzichten und so flexibler zu werden.

Mobilitätsbudgets – Glückliche Mitarbeiter, geringere Kosten

Ob nun fetter SUV, stylishes Cabrio oder geräumige Limousine als Dienstwagen – viele Angestellte oder Bewerber lassen die Angebote von Arbeitgebern kalt. Was sie wollen: eine Alternative zum konventionellen Fahrzeug. Auf die veränderten Wünsche der Mitarbeiter reagieren mittlerweile vor allem große Firmen. Sie bieten ein monatliches Mobilitätsbudget an – damit sind ihre Mitarbeiter flexibler mobil und müssen sich nicht allein auf die Nutzung eines Firmenwagen festlegen. Ihnen steht meist ein Mobilitätsbudget für Carsharing, Mietwagen, Mieträdern, ÖVNP und Taxifahrten zur Verfügung. Wer den monatlichen Betrag in einigen Firmen nicht ausschöpft, kann das Restbudget aufsparen – und manchmal damit sogar den Motorroller im Urlaub bezahlen.

Umdenken setzt ein

Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement, erkennt ein prinzipielles Umdenken in großen Unternehmen. Abseits vom Auto lasse sich in vielen Unternehmen inzwischen aber auch ein grundsätzlicher Wandel feststellen, erklärte Prinzing kürzlich in einem Interview. Anstatt einfach einen Dienstwagen hinzustellen, böten vor allem große Firmen ihren Mitarbeitern inzwischen oft eine Art Mobilitätsbudget, das diese dann frei nach ihren Wünschen und Vorlieben nutzen könnten. Etwa für ein Dienstfahrrad oder eine Bahncard. Besonders junge und urbane Mitarbeiter haben kaum mehr Interesse an einem eigenen Fahrzeug, das sowieso in der Regel mehr steht, als dass es fährt. Und damit auch unnötige Kosten erzeugt. Wer Talente für sein Unternehmen begeistern möchte, muss mehr als einen Dienstwagen bieten, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Trotzdem wird der Firmenwagen weiterhin in friedlicher Koexistenz zum Mobilitätsbudget bestehen bleiben. Doch eine immer größere Zahl von Unternehmen testet moderne Alternativen, um Mitarbeiter zu motivieren oder für die Firma zu begeistern.

Firmen zeigen sich flexibel

Dienstrad
Das Dienstrad – eine Alternative zum Firmenwagen.

SAP unterhält mit rund 17.000 Dienstwagen einen der größten Fuhrparks in Deutschland. Besonders in den Ballungszentren wünscht sich die Belegschaft Alternativen zum Dienstwagen. Rund 94 Prozent der Angestellten erwarte laut einer Umfrage, dass der Arbeitgeber aktiv etwas für die Umwelt tue – etwa etwas für die Klimaneutralität. Um das umzusetzen hat das Unternehmen das Pilotprojekt „Flexible Mobilität“ gestartet mit einem virtuellen Mobilitäts-Jahresbudget. Dabei orientiert sich die Höhe des Betrags an der geltenden Firmenwagenregelung und am Karrierelevel sowie dem Beschäftigungsgrad. Mitarbeiter dürften damit ihr Mobilitätsbudget frei verteilen: in Bahn- oder ÖPNV-Fahrten, Fernbus-Tickets, E-Roller, Carsharing, Mietwagen, Mitfahrdienste oder Taxi. Auch Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit zählen zu diesem Budget. Nimmt der Mitarbeiter das Budget nicht voll in Anspruch, gibt es mehrere Möglichkeiten: Unternehmen können ihren Mitarbeitern auch Zuschüsse für Kita-Plätze, zusätzliche Urlaubstage oder ein neues Smartphone anbieten.

Mehr sozialer Frieden im Unternehmen

Mobilitätsbudgets garantieren gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen, Mitarbeiter gleichberechtigter zu behandeln. Warum? Ganz einfach: Das Mobilitätsbudget lässt auch bei niedrigen Gehaltsgruppen einsetzen. Zwar mit weniger finanziellem Volumen als beim Führungspersonal. Trotzdem kommen damit prinzipiell mehr Angestellte in den Genuss einer solchen Gratifikation, was sich wiederum positiv auf das Betriebsklima auswirken dürfte. Ein Dienstwagen ist für die meisten Beschäftigten, gemessen am Gehalt, zu teuer. Eine Investition von dem nur wenige profitieren. Dazu kommt, dass der Unternehmer Fahrzeuge hat, die zu viel stehen, aber täglich Geld verschlingen. Das ist beim Mobilitätsbudget anders. Wie hoch das individuelle Mobilitätsbudget ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. In Städten geht immer häufiger die Entscheidung gegen das Auto. Vor allem in der Altersgruppe von 45 bis 60 Jahren, wie eine PwC-Studie Ende 2018 untermauert hat. In dieser Altersgruppe ist die Bereitschaft sehr hoch, smarte Mobilitätsalternativen statt festem Dienstwagen zu nutzen.

Multimodale Mobilität wächst

Die freie Wahl zu haben, welche Mobilität genutzt werden soll und diese untereinander zu kombinieren, wird in Zukunft wichtiger Bestandteil im Fuhrpark. Mittlerweile gibt es neben Autovermietungen digitale Plattformen, die sich auf die Firmen-Abrechnung eines Mobilitäts-Mixes spezialisiert haben. Zeitkontingent sowie die möglichen Verkehrsmittel und das exakte Budget lassen sich je nach Bedarf und den Möglichkeiten eines Unternehmens konfigurieren. So präsentiert seit März 2017 die Daimler-Tochter Athlon eine Lösung für Mobilitätsbudgets. Im Mittelpunkt steht dabei die Multimodalität, die höchste Flexibilität erlauben soll. Die Verbindung zwischen Carsharing, Sharing-Bike oder öffentlichen Verkehrsmitteln kann einfach abgerechnet werden. Zum Beispiel lassen sich Buchungsbelege kurzerhand einscannen und hochladen – bei der nächsten Gehaltsabrechnung kann es eine Gutschrift für nachhaltige Transportmittelwahl geben.

Mehr Mobilität, weniger Kosten

Frau vor Zug
Viele Arbeitnehmer fahren lieber mit dem Zug anstatt dem Firmenwagen.

Durch diese flexible Gestaltung des Mobilitätsrahmens könnten Flotten massiv an Fahrzeugen und damit Fuhrparkkosten sparen. Ebenso sinkt der administrative Aufwand bei der in der Regel automatisierten, gut kalkulier- und planbaren Lösung. Doch nicht immer dürfte sich die Abkehr vom Firmenwagen für die Unternehmen auch wirtschaftlich rechnen. Es gibt durchaus Bereiche, in denen eine ständige und langfristige Verfügbarkeit von Fahrzeugen sinnvoll sein dürfte. Außendienstler oder Vertriebler, die auf dem Weg zum Kunden täglich weite Strecken zurücklegen müssen, kommen mit einem eigenen Dienstwagen in der Regel günstiger weg. Wer mit Werkzeug oder Musterteilen zum Kunden fährt, braucht ein Auto, ob nun als Mietwagen oder im Rahmen von Carsharing. In anderen Fällen sieht es wieder ganz anders aus. Wer nur mit Laptop, Aktenkoffer oder Handgepäck unterwegs ist, kann viele Strecken auch mit der Bahn zurücklegen. Das hat sogar einen doppelten Vorteil: Der Mitarbeiter kann während der Fahrzeit arbeiten und kommt entspannter beim Kunden an.

Fazit

Die Lösung für das Problem inklusive maximaler Flexibilität auf dem Weg von A nach B sind digitale Mobilitätsbudgets, die sich einfach per App abrechnen lassen und mit der Buchhaltung verknüpfen lassen. Wichtig ist, Carsharing, Dienstfahrrad & Co. als Angebot zu kommunizieren. Der Arbeitgeber sollte klarmachen, dass der Verzicht auf einen Dienstwagen oder der Umstieg auf ein kleineres Modell freiwillig ist, aber die Vorteile absolut überwiegen:

  • Guthaben lassen sich nicht nur für den Arbeitsweg, sondern auch für die Freizeit nutzen.
  • Die Möglichkeit im Berufsverkehr jederzeit umzusteigen.
  • Auch Betriebe, die nur schlecht an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden sind, können so ohne großen Aufwand erreicht werden.
  • Digitales Budget für die Mobilität der Mitarbeiter zieht sowohl junge Bewerber als auch erfahrene Fachkräfte in das Unternehmen, denn es steht für Flexibilität, Nachhaltigkeit und eine gesteigerte Lebensqualität.

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