WLTP

Seit 2018 müssen Neuwagen nach einem neuen Prüfverfahren zertifiziert werden: WLTP und RDE sollen dabei für realistischere Werte und mehr Transparenz sorgen. Diese Regelung bedeutet für manche Unternehmen höhere Steuerkosten – bietet aber auch jede Menge Vorteile.   

Was bedeuten WLTP und RDE – und wieso sind sie für den Fuhrpark wichtig?

Es ist noch gar nicht so lange her, da wunderten sich Autobesitzer, dass ihr Wagen ständig mehr verbrauchte als im Prospekt versprochen – selbst bei einer spritschonenden Fahrweise. Wie weit die angegebenen CO2- und Kraftstoffwerte von der der Realität entfernt lagen, verriet 2018 eine Studie der Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT). Das Ergebnis: Im Durchschnitt lag der Verbrauch von Neuwagen in Europa 42 Prozent höher als von den Herstellern angegeben.

Was genau steckt hinter WLTP?

Seit September 2018 müssen die Autohersteller nun alle Typen nach WLTP zertifizieren. Das heißt: Jeder Neuwagen-Typ, den man heute bei einem Händler kauft, hat einen Test auf dem WLTP-Prüfstand hinter sich. Genauer gesagt, ein Fahrzeug mit der gleichen Motor-Getriebe-Kombination. WLTP steht für „Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“. Dieser Test-Zyklus dauert für jedes Auto 30 Minuten. In dieser Zeit simuliert der Prüfstand eine Fahrt in der Stadt, über Land und auf der Autobahn. Das Auto beschleunigt auf Rollen auf bis zu 131 km/h, bremst und beschleunigt. Währenddessen wird gemessen, wie viele Schadstoffe das Auto produziert. Aus dem CO2-Ausstoß rechnen die Ingenieure anschließend hoch, wie viel Sprit ein Auto verbraucht. Zusätzlich zur WLTP-Messung ist seit 2019 ein RDE-Test für die Straßenmessung erforderlich. Das Kürzel steht für „Real Driving Emissions“. Bei diesem Test wird ein Messgerät am Auto befestigt. Damit geht’s auf die Straße, die Teststrecke ist dabei nicht so streng definiert wie beim WLTP-Test.

Auch Stromer müssen zum Test

Auch elektrifizierte Fahrzeuge müssen in Europa nach den neuen Regeln des WLTP getestet werden, um eine Typzulassung zu erhalten. Das hatte zur Folge, dass die durchschnittliche Reichweite von Batterieautos in den vergangenen Jahren auf dem Papier trotz des technischen Fortschritts sank. Auch hier haben die Hersteller anscheinend die Zahlen geschönt. Aber, das ist die gute Nachricht: der Nutzer kann sich nun auf realistischere Zahlen einstellen und fährt damit sicherer.

Dieselskandal und manipulierte Prüfergebnisse

Warum überhaupt ein neues Prüfverfahren? Das seit 1992 gültige Testverfahren NEFZ wurde vom WLTP abgelöst, da es als nicht zeitgemäß galt. Zum einen, weil das Fahrprofil nicht mehr dem aktuellen Fahrverhalten entsprach. Zum anderen, weil der NEFZ den Herstellern viele Schlupflöcher bot, was die absurd niedrigen Prüfstandwerte erklärte. Die Optimierungen des Abgasverhaltens wurden insbesondere bei Pkw-Dieselmotoren hin auf genormte Prüfzyklen optimiert. Hersteller wie Volkswagen nutzten illegalerweise eine Software, die erkannte, ob ein Automobil im Testzyklus fuhr und entsprechend das Abgasreinigungssystem auf diese Anforderungen einstellte. Im Normalbetrieb wurde dieser Prüfzyklus-Modus wieder abgeschaltet. Nach dem Auffliegen des „Dieselskandals“ wird heute wird versucht, das Emissionsverhalten nicht mehr auf Prüfzyklen hin zu optimieren, sondern im tatsächlichen Fahrbetrieb (RDE) zu verbessern.

So beeinflusst das WLTP die Kfz-Steuer

Doch die Genauigkeit von WLTP hat ihren Preis – und den muss der Autokäufer zahlen. Durch das genauere Messverfahren sind die Verbrauchs- und Schadstoffwerte der Fahrzeuge nun realistischer und damit in der Regel höher als bislang angenommen. So stieg die Kfz-Steuer für einige Fahrzeuge zum Teil sogar bis zu 70 Prozent. Grund: Die stärkere CO2-Gewichtung der Steuerbemessung und die Begünstigung besonders emissionsreduzierter Pkw sollen Anreize für innovative klimaschonende Mobilität setzen.

Was bedeuten WLTP und RDE für den Fuhrpark?

Zugegeben, auch wenn das WLTP-Verfahren nicht perfekt ist (individuelle Faktoren wie Gelände und Fahrstil sowie Verbraucher wie Heizung oder Klimaanlage werden nicht mit einbezogen), so bietet das neue Prüfsystem doch ein deutliches Plus an Vergleichbarkeit und Transparenz. Fuhrparks können die neuen Fahrzeuge bereits während der Konfiguration anhand realistischer Verbrauchswerte ihren Flottenzielen anpassen. Allerdings mussten viele Unternehmen seit Inkrafttreten der neuen Regel ihre Car Policy und die darin inkludierten CO2-Werte neu überarbeiten. Die Auswahl der Fahrzeuge muss auch in Zukunft ständig überdacht und angepasst werden. So haben Autos mit kleineren Motoren und Reifen einen positiven Effekt auf den Schadstoff-Ausstoß und Elektrofahrzeuge sind natürlich klar im Vorteil. Da im WLTP-Testverfahren jede Sonderausstattung – wie zum Beispiel Ledersitze oder eine Anhängerkupplung – direkten Einfluss auf die CO2-Werte hat, ist vor dem Kauf eine genaue Analyse unerlässlich.

Alles zum Thema CO2 im Fuhrpark

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.