Fahrzeugrückrufe: Fuhrpark absichern

Rückrufaktionen kommen immer wieder vor – und kosten Flottenbetreibenden viel Geld. Wie und ob man sich vor den Auswirkungen auf den Fuhrpark schützen kann, das lesen sie hier.

Gib hier deine Überschrift ein

Wenn Millionen von Neufahrzeugen im Jahr auf die Straße rollen, können ein paar Montagsexemplare darunter sein. Fehler in der Konstruktion kommen immer mal wieder vor. Doch gerade in den letzten Jahren häufen sich die Rückholaktionen der Hersteller. Das ist ärgerlich für alle FuhrparkbetreiberInnen. Sie sind ohnehin arg gebeutelt. Die Corona-, dann die Halbleiterkrise und obendrauf nun vermehrte Rückrufaktionen. Was bedeutet diese Situation für das Fuhrparkmanagement? In der Regel haftet der Hersteller bei fehlerhaften Produkten. Doch auf alle anderen anfallenden Kosten bleiben FlottenbetreiberInnen sitzen.

Rückrufe: Fuhrparkverantwortliche in der Zwickmühle

Die Fahrzeuge werden immer moderner, sind mit viel Elektronik überfrachtet. Kein Wunder, dass sich Rückrufe häufen. Erstaunlich bleibt jedoch das Ausmaß. Bereits im November 2021 wurden rund 240.000 Mercedes-Fahrzeuge in Deutschland aufgrund eines technischen Defekts zurückgerufen. Erst im April 2022 hatte Opel erneute Probleme mit seinen Pkw. Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs: Im Februar 2022 waren etwa 110.000 Fahrzeuge betroffen waren. Die Chronik der Ausfälle allein von Opel:

Fahrzeugrückruf
  • Im April 2022 wurde bekannt, dass Opel die Modelle der Baureihen Corsa und Mokka für ein Software-Update in die Werkstatt ruft. Grund: fehlerhafte Software.
  • Rückrufe 2022: Mängel an Software, unzulässige Abschalteinrichtung & Rost an Spurstangen.
  • Rückrufe 2021: Brandgefahr, schadhafte Anhängerkupplung und weitere Mängel.
  • Rückruf 2019: Stickoxid-Problem.
  • Rückruf 2018: Diesel-Fahrzeuge müssen in die Werkstatt.

 

Schneller bauen, mehr Fehler

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verzeichnet täglich bei Herstellern neue Rückrufaktionen. Wie das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach errechnet hat, wurden 2020 auf dem Referenzmarkt USA 30,3 Millionen Pkw wegen Sicherheitsmängeln in die Werkstatt beordert. Im ersten Halbjahr 2021 waren es bereits über 18,6 Millionen Pkw. Das hat einen Grund: Durch den Wettbewerbsdruck wollen Hersteller schnell Neues auf den Markt bringen, Fahrzeuge verlassen oft unausgereift das Band. Leidtragende sind die KäuferInnen.

Tops und Flops

In den USA führen Volvo, Honda und Mitsubishi die Rückrufquoten-Rangliste laut CAM an. So wiesen die höchsten Rückrufquoten 2020 Hersteller wie Volvo, Honda und Mitsubishi auf. In absoluten Zahlen lag Toyota mit 7 Millionen Fahrzeugen an der Spitze, gefolgt von Honda mit 5,8 Millionen und Ford mit 5 Millionen. Kleiner Trost: Die deutschen Hersteller liegen im Mittelfeld. Die geringsten Rückrufquoten hatten Tesla mit 13 Prozent, Mazda mit 26 Prozent und GM mit 53 Prozent. Die Gründe für Rückrufe sind so bunt wie ein Frühlingsstrauß: sie erstrecken sich von Brandgefahr bis hin zu einem plötzlichen Ausfall des Motors. 

Bei Rückruf herrscht Ratlosigkeit

HerstellerInnen sind verpflichtet, bei groben Mängeln umgehend zu reagieren. Meist erfolgt die Information durch einen Brief. Wenn die entscheidenden Ersatzteile noch nicht verfügbar sind, wird es brenzlig. Flottenverantwortliche sind auf alle Fahrzeuge angewiesen, andererseits müssen sie aber auch den Fürsorgepflichten gegenüber den Mitarbeitenden nachkommen. Die DGUV-Vorschrift 70 besagt zudem, dass Fuhrparkverantwortliche ihren Mitarbeitenden kein Fahrzeug überlassen dürfen, das eine Gefahr darstellt. Halterhaftung und Halterpflichten müssen ebenfalls beachtet werden. Nach Straßenverkehrs-Ordnung darf ein Fahrzeug nur in Betrieb genommen werden, wenn es vorschriftsmäßig ist. Bei den FuhrparkmanagerInnen herrscht im Falle eine Rückholaktion Ratlosigkeit – woher neue Fahrzeuge nehmen?

Umsichtig fahren als Antwort

Tatsächlich enthalten Rückrufschreiben Hinweise, dass betroffene Fahrzeuge möglichst umsichtig zu fahren seien – oder Betreibende werden aufgefordert, die Nutzung einfach einzuschränken. Damit haben Hersteller ihre Pflicht getan und sind somit aus der Verantwortung. Fuhrparkverantwortliche gucken in diesen Fällen in die Röhre. Einen wirklich kostenneutralen Rückruf für das Unternehmen gibt es nämlich nicht. Wenn sich der Hersteller darauf einlässt, können die Reparaturkosten nur innerhalb der Sachmängelhaftungsfrist oder im Rahmen einer Garantie geltend gemacht werden. Viele Hersteller übernehmen die Kosten auch außerhalb der Garantie, weil sie Angst vor einem Imageverlust haben. Das hilft aber niemanden.  

Fahrer Rückruf

Mobilitätsausfall kostet Geld

Mängel an Fahrzeugen kosten stets Geld und Zeit. Expertinnen haben errechnet, dass je nach Fuhrparkgröße eine fünfstellige Eurosumme zusammenkommt, wenn man nur eineinhalb Stunden Aufwand pro Fahrzeug mit Qualitätsmängeln zu Grunde legt. Da das Fahrzeug zur Nachbesserung in die Werkstatt muss, entsteht auch noch ein Mobilitätsausfall. Stellt der Hersteller oder die Leasingfirma kein Ersatzfahrzeug, muss man selbst dafür sorgen. Dauert die Reparatur dann noch länger als kalkuliert, wird es im Fuhrpark womöglich eng. Dass der Mitarbeiter seinen Geschäftswagen in die Werkstatt bringen sowie abholen muss und den Firmen dadurch Kosten entstehen, wird nicht finanziell honoriert. Immerhin: während der Gewährleistungsfrist gibt es Anspruch auf einen Ersatzwagen.

Eine Lösung: Ersatzwagen bereithalten

Auf mögliche Engpässe, die länger anhalten, lässt sich eventuell noch mit einem Auto Abo oder durch kurzzeitiges Leasing reagieren. Aber auch diese Form ist letztlich mit weiteren Kosten verbunden. Und mal ganz ehrlich: Durch die weitere Elektrifizierung drohen sehr wahrscheinlich Rückrufe in immer kürzeren Abständen. Und da sind wir wieder bei aktuellen Rückrufaktionen. Allein im Februar 2022 hat Opel weltweit rund 570.000 Fahrzeuge des Opel Insignia A, die zwischen Dezember 2007 und Juli 2013 gefertigt wurden, wegen möglicher Rostschäden an Spurstangen zurückgerufen. Nur in Deutschland sind 113.000 Opel Insignia betroffen. Manchmal ist es auch zu spät: Es sollen zehn Fälle bekannt sein, in denen die Spurstange sogar brach. Gott sei Dank wohl ohne Sach- oder Personenschäden. Die kostenlose Überprüfung betroffener Opel Insignia A würde zehn Minuten in der Werkstatt in Anspruch nehmen – aber den Fuhrpark schmälern.

Mehr Artikel zum Thema Kostenmanagement

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.