ein Stethoskop

Wussten Sie schon? Nicht nur die Betriebsfahrt zum Kunden können Sie steuerlich geltend machen, sondern beispielsweise auch die Fahrt zum Arzt und andere Kosten, die krankheitsbedingt anfallen. So geht’s.

Kosten, die bei einem Krankheitsfall anfallen, können Sie steuerlich geltend machen. Stichwort ist: “außergewöhnliche Belastungen”. Darunter können Sie in der Steuererklärung von Rezeptkosten über Physiotherapiekosten bis hin zu den Fahrten zum Arzt verschiedenste private Ausgaben geltend machen.

Was heißt hier außergewöhnlich?

In der Steuererklärung laufen krankheitsbedingte Kosten unter dem Begriff “außergewöhnliche Belastungen”. Das sind private Ausgaben, die zwangsläufig und notwendig waren. Je nach Einkommen, Familienstand sowie Kinderzahl unterscheidet sich aber stark, wie hoch Ihre potentielle Steuerersparnis sein kann. Mit dieser Regelung soll vermieden werden, dass Sie als Steuerzahler höhere unvermeidbare finanzielle Belastungen haben als andere mit ähnlichem Einkommen und ähnlicher Familiensituation.

Es muss nämlich erst ein zumutbarer Jahresbetrag überstiegen werden, bevor Ihre Ausgaben als unzumutbare Belastung gelten. Das heißt, dass relativ zu Ihrer Situation gesehene Ausgaben als zumutbar gesehen werden – diese tragen Sie selbst und gelten nicht als außergewöhnlich. Erst wenn Ihre jährlichen Ausgaben einen bestimmten Betrag überschreiten, der sich aus einem prozentualen Anteil Ihrer Einkünfte zusammensetzt, können Sie diesen auch von der Steuer absetzen. Unterschieden wird hier nach drei Stufen mit Sätzen zwischen einem und sieben Prozent. Bei Eheleuten werden die Einkünfte zusammengezählt. Falls Sie Kinder haben, müssen Sie für diese auch Anspruch auf einen Kinderfreibetrag oder Kindergeld haben, um sich für die niedrigeren Beträge zu qualifizieren.

 

Gesamtbetrag der Einkünfte

  

bis 15.340 Euro

15.341 bis

51.130 Euro

über 51.130 Euro

  

ohne Kinder

unverheiratet

5%

6%

7%

verheiratet

4%

5%

6%

mit Kindern

1-2 Kinder

2%

3%

4%

3+ Kinder

1%

1%

2%

Achtung: Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 19. Januar 2017 (Aktenzeichen VI R 75/14) ändert sich die Berechnung des Schwellenbetrags. Hier sehen Sie sowohl die alte als auch die neue Berechnungsweise anhand eines Beispiels:

Sie sind verheiratet und haben zwei Kinder; daher fallen Sie je nach Jahreseinkommen in die Prozentsätze von zwei, drei oder vier Prozent. Verdienen Sie und Ihr Ehepartner jährlich 55.000 Euro, liegen Sie in der vier Prozent-Kategorie:

 

4% von 55.000 Euro

2.200 Euro

Damit läge Ihr Grenzsatz nach der alten Rechenweise bei ganzen 2.200 Euro. Nach dem neuen Urteil setzt sich der Grundsatz allerdings stufenweise zusammen:

 

2% von 15.340 Euro

306,80 Euro

3% von 35.790 Euro (51.130 Euro minus 15.340 Euro)

1.073,70 Euro

4% von 3.870 Euro (55.000 Euro minus 51.130 Euro)

154,80 Euro

Summe

1.535,30 Euro

Ihr Grenzsatz ist nach der neuen Berechnungsweise damit 664,70 Euro niedriger. Ab einem jährlichen Betrag von 1.535,30 Euro können Sie Ihre Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Auf diese Weise werden Ihre Ausgaben schon früher und in größerem Umfang berücksichtigt.

Heben Sie also fleißig Belege, die Krankheitsausgaben beweisen, auf. Auch wenn Sie noch unter dem Prozentbetrag liegen, könnten zusätzliche Ausgaben Sie schnell über die Schwelle heben.

Die Fahrt zum Arzt absetzen

Berechnen Sie unter den vorherig genannten Punkten Ihre Krankheitskosten, vergessen Sie nicht auch Ihre Fahrtkosten mit einzubeziehen! Pro gefahrenen Kilometer kann ein Pauschbetrag von 0,30 Euro geltend gemacht werden. Führen Sie Fahrtenbuch, können Sie die zurückgelegten Kilometer ganz einfach Ihrem Fahrtenbuch entnehmen. Bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann außerdem der volle Fahrscheinbetrag abgesetzt werden.

Falls dazu noch Kosten für Verpflegung und Übernachtung kommen, können diese wie auch bei einer Betriebsfahrt oder einer Dienstreise abgesetzt werden. Auch Besuchsfahrten, wenn ein enges Familienmitglied wie Kind oder Ehepartner im Krankenhaus liegt, können Sie steuerlich geltend machen.

Fahrten richtig dokumentieren

Wer die Fahrten zum Arzt nicht dokumentiert, kann diese auch nicht in die Steuererklärung einfließen lassen. Wichtig ist deswegen, die zurückgelegten Kilometer schriftlich festzuhalten. Vor allem dann, wenn Sie für die Fahrten einen Firmenwagen nutzen. Führen Sie für den Firmenwagen ein Fahrtenbuch, dokumentieren Sie die Fahrten bereits. Wer jedoch die 1-%-Regelung zur Versteuerung nutzt, muss die Fahrten zum Arzt zusätzlich aufschreiben. Ein Fahrtenbuch hilft nicht nur bei der Dokumentation von Fahrten zum Arzt. Firmenwagenfahrer sparen gegebenenfalls mit diesem im Vergleich zur 1-%-Methode bares Geld. Gründe, warum sich ein Fahrtenbuch lohnen könnte, sind:

  • Ihr Fahrzeug hat einen hohen Bruttolistenpreis.
  • Sie nutzen Ihr Fahrzeug zum größten Teil für Betriebsfahrten. 
  • Das Fahrzeug wurde gebraucht oder günstiger gekauft.
  • Die laufenden Kosten für Sprit oder Kfz sind niedrig.

Wer ein Fahrtenbuch führt, muss alle Fahrtstrecken dokumentieren und angeben, ob diese privat, betrieblich oder als Arbeitsweg zurückgelegt wurden. Bei Betriebsfahrten müssen außerdem Angaben zu dem Grund der Fahrt, Startadresse und Endadresse sowie der Kilometerstand zu Start und Ende der Fahrt aufgezeichnet werden. Auch wenn die Schreibarbeit auf den ersten Blick lästig erscheint: Beim Fahrtenbuch ist der Vorteil, dass nur für die tatsächlichen Privatfahrten der geldwerte Vorteil berechnet wird. 

Laden Sie sich hier die Fahrtenbuch Vorlage herunter, um das Fahrtenbuchführen zu vereinfachen. Die Vorlage wird Ihnen per E-Mail zugeschickt, sodass Sie sie bequem von Zuhause ausfüllen und bei Bedarf ausdrucken können. In der Vorlage finden Sie allgemeine Felder zu Ihrem Fahrzeug wie z. B. das amtliche Kennzeichen oder den Kilometerstand zu Beginn des Jahres. Anschließend ist eine Tabelle aufgelistet, in der Sie zu jeder Fahrt den Namen des Fahrers, Datum,  Anfangskilometerstand, Endkilometerstand, die gefahrenen Kilometer, Kategorisierung der Fahrt, Anlass der Fahrt und Fahrtziel eingeben können. 

Gratis Fahrtenbuch Vorlage

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Das elektronische Fahrtenbuch

Keine Lust auf Schreibarbeit? Nutzen Sie ein digitales Fahrtenbuch! Alle Fahrten werden automatisch aufgezeichnet und müssen nur noch kategorisiert werden. Der Vorteil des digitalen Fahrtenbuches liegt auf der Hand: es denkt für Sie mit. Bereits angefahrene Ziele werden automatisch erkannt – die Arbeit auf Fahrerseite bleibt minimal. 

Informieren Sie sich über das digitale Fahrtenbuch. 

Sonstige Krankheitskosten

Doch nicht nur die Fahrtkosten können Sie von der Steuer absetzen. Mitunter die folgenden Kosten können Sie allesamt mit Belegen steuerlich geltend machen:

  • Rezeptgebühren, Medikamente und Verbandsmaterial
  • Brille
  • Prothese
  • Hörgerät
  • Kuren
  • Zuzahlungen beim Krankenhausaufenthalt
  • Behandlungen von Ärzten, Heilpraktikern und Psychotherapeuten
  • Aufwendungen für benötigte Begleitpersonen
  • Krankengymnastik
  • Inhalationsgerät
  • Zahnfüllungen, Zahnersatz
  • Blutdruckmessgerät, Blutzuckermessgerät
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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für den Beitrag zu Fahrtkosten für den Arztbesuch. Mein Onkel nutzt die Krankenbeförderung für seine Arzttermine, da er selbst nicht mehr Auto fahren darf. Gut zu wissen, dass diese Kosten als außergewöhnliche Belastungen gelten und potenziell steuerlich geltend gemacht werden können.

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